Wann und wie wende ich Ironie und Sarkasmus an?

Wann und wie wende ich Ironie und Sarkasmus an?

17. Oktober 2016 16 Von nicoleinez

„Die Ironie ist die Lust an der Distanz zu Dingen, deren Nähe Unlust erzeugt“, sagte Anselm Vogt irgendwo irgendwann einmal und jemand anders hat dies auf einer Zitate-Seite verewigt. Ich habe ein wenig recherchiert, was die Allgemeinheit der DenkerInnen über einen Teil meiner Lebenssicht auf die Dinge zu sagen hat. Verwunderlicher Weise verbinden viele Menschen Ironie und Sarkasmus mit Verbitterung und allerlei Negativem.

Bei mir ist das jedoch erblich und familiär bedingt. Seit ich denken kann, war ich von ironisch denkenden Menschen umgeben. Mir gefiel diese Art, auf die Dinge und die Welt zu schauen. Wahrscheinlich lebe ich deshalb danach. Eine Zeit lang habe ich versucht, hauptsächlich aus der „psychologischen“ Sicht auf die Welt zu schauen, bis ich gemerkt habe, dass das nicht ich bin und es mich nicht glücklich macht.

Denn wenn ich mir aussuchen kann, ob ich meine Gedanken und Energie damit verschwende, alles zu „zeranalysieren“ und es mit einem Sinn zu behaften, werde ich irgendwann komisch und ungenießbar. Mir persönlich gibt es zwar Selbstvertrauen, zu wissen, dass ich vieles analysieren, bewerten und durchschauen kann, aber danach leben möchte ich nicht. Viel mehr Spaß macht es, wenn man die Dinge mit Humor sieht und aus fast jeder Situation den (Wahn-)witz ziehen kann. Das Leben ist ohnehin schon ernst genug, warum es sich nicht selbst unterhaltsamer machen? So, jetzt ist Schluss mit dem Philosophie-Teil und wir kommen zum Kern der Sache.

Über die Jahre habe ich aber auch sehr viel über Sarkasmus und Ironie gelernt:

– Kaum jemand versteht ihn und sie.
– Viele Personen wollen gerne zwanghaft lustig sein und verwenden die Begrifflichkeiten in einem ärmlich wirkenden Zusammenhang, der Aufschluss über ihre Unwissenheit darüber gibt.
– Keine Satire ist besser als sich anbiedernde.
– Ironie und Sarkasmus ist ein Anzeichen von Intelligenz.
– Manche Menschen wenden ihn/sie an wie ein Elefant im Porzellanladen, was so viel bedeutet, dass
– Wiederum viele Leute nicht wissen, wann Ironie und Sarkasmus passend ist und wann nicht. (mehr dazu später)
– Sarkasmus wird oft für derbe Schmähs (Anm.: Wienerisches Wort für Scherz) zweckentfremdet. (Sexuelle Anspielungen, grauslicher schwarzer Humor,….). Wer mir nicht glaubt, kann gerne „sarkastischen Gruppen“ auf Facebook oder sonst wo beitreten. Wer sich dort länger als drei Stunden wohlfühlt, macht mir Angst.
– Das Leben ist angenehmer mit Humor.
– Zynische, ironische, sarkastische Menschen sind nicht zwangsläufig frustriert.
– Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie es sind.

Jetzt, wo ich euch mit jeder Menge Informationen über eh schon wissen gefüttert habe, kann ich euch auch gleich wichtige Lebenstipps auf eurem Weg mitgeben. Mir ist vor allem als Bloggerin aufgefallen, dass es manchmal an Feingefühl im Umgang miteinander hapert. Damit meine ich vor allem Kommentare in Gruppen, auf Internet- oder Social Media Seiten, etc.. Es ist okay, wenn man seinen Verstand ein paar Minuten lang ausschaltet. Wichtig ist nur, dass keine fremde Person, die man damit verstören könnte, in der Nähe ist. Auch nicht virtuell.

Wann und wie wende ich am besten Ironie und Sarkasmus an?

1. Ironische/sarkastische Kommentare auf ernst gemeinte Blogs

Da wir hier auf einem Blog sind, fange ich gleich mit dem Naheliegendsten an. Nichts freut Blogger mehr, als Kommentare, die einen Beitrag ins Lächerliche ziehen, der eigentlich ernst gemeint war. Das ist überhaupt nicht respektlos deinerseits, nein. Blogger sind keine Menschen und deshalb kann man sich ihnen gegenüber wie ein Affe im Bananenwald aufführen: Rau und wüst. Persönlich wertende Beiträge mit einem bösen Unterton sind auch immer sehr angemessen und führen sicher nicht dazu, dass du künftig ignoriert wirst. Vor allem, wenn du neu auf einer Plattform bist.

Es ist ja auch im Alltag so, dass man einfach zu Fremden geht und sie mit einer unpassenden sarkastischen Bemerkung „lustig“ anspricht. Das wirkt sehr reflektiert und wirft im Endeffekt ein sehr gutes Licht auf dich. Außerdem zeigt es, dass du sehr witzig bist, auch wenn niemand darüber lacht.

2. Sarkasmus/Ironie im Bewerbungsgespräch


90 Prozent der Firmen werden es toll finden, wenn du zeigst, wie ironisch du sein kannst. Wenn du Jobinserate genauer liest, kannst du sogar sehen, dass Sarkasmus eine Voraussetzung ist. Spare nicht mit Anspielungen, Andeutungen zwischen den Zeilen, Zweideutigkeiten und spitzzüngigen Bemerkungen. Fange am Besten schon beim Bewerbungsschreiben an, so kommst du ganz bestimmt zum persönlichen Gespräch.Sollte dein Gegenüber nicht verstehen, dass die Aussage sarkastisch gemeint war, sprich es darauf an. Beende den Satz mit: „Ach Sarkasmus. Der Humor der Intelligenten. Kann nicht jeder verstehen, schon klar.“

3. Sarkasmus/Ironie wenn es jemandem schlecht geht


Diese Art von Humor klappt viel besser in der direkten Kommunikation. Denn Mimik, Gestik und Tonfall unterstreichen die Absicht des Gesagten. Und ein helles Köpfchen wird darauf reagieren. Wenn es also jemandem schlecht geht und diese Person dir ihr/sein Herz ausschüttet, antworte einfach sarkastisch. Es ist, wie eingangs schon erwähnt, immer passend, böse zu reagieren, wenn das Gegenüber eigentlich was ernst meint. Warum also nicht angemessen reagieren, um zu zeigen, dass du auch lustig sein kannst, wenn jemand anders gerade weint. Du zeigst somit, dass du kein Trampeltier der Empathie bist und du wirklich weißt, wann es genug ist. Go for it! Es wäre nicht gut, wenn du der traurigen Person zuhörst und angemessen reagierst.

4. Sarkasmus/Ironie beim Kennenlernen


Ironie beim Kennenlernen (unabhängig von der Situation) ist total gut geeignet. So wirkst du sehr vertrauenswürdig und wie ein Mensch, der das Leben und seine Wesen ernst nimmt. Es ist nicht wichtig und richtig, dass du auch andere Seiten von dir präsentierst, die auch wichtig sind, um mit jemandem die Zeit verbringen zu können. Ironie ist kein Stilmittel, das man gezielt, bewusst und pointiert einsetzt, sondern man schlägt damit permanent um sich: Das hast du gut erkannt. Ziel eines Kennenlernens ist auch nicht Klarheit, sondern es geht darum, sein Gegenüber total zu verwirren, sodass es am Ende nicht mehr weiß, was man bei dir ernst nehmen kann und was nicht.

5. Sarkasmus/Ironie bei Kindern

Es ist wichtig, dass Kinder so früh wie möglich lernen, ironisch und sarkastisch zu sein. Sie verstehen das natürlich von Geburt an. Sarkasmus ist nämlich eine menschliche Gabe, die im 10. Nasenhaar von links residiert. Wenn man sich also die Nasenhaare trimmt, kann man nicht mehr sarkastisch sein. Also erzieht Kinder sarkastisch und lehrt ihnen, nichts und niemanden ernst zu nehmen.

Du bist im Recht wenn du denkst, dass es nicht zu sozialer Kompetenz gehört, angemessen auf die jeweilige Situation im sozialen Kontext zu reagieren. Lustig sein geht IMMER bevor, egal wann. Das musst du auch deinen Sprösslingen lernen. Sie werden sicher verstehen, wenn du zwischen den Zeilen redest und nie das meinst, was du sagst. Sag nach jeder Aussage immer: „….am Gegenteiltag“. Das ist nicht nervig und/oder irritierend, sondern notwendig für eine gesunde Kommunikation.

Du siehst schon, Humor muss man einsetzen, wenn er gefragt ist und am Besten passt. Nimm dir kein Blatt vor den Mund, nur weil es nicht passend ist in einer zwischenmenschlichen Situation. Verwende diese Form von Humor ebenfalls für unter der Gürtellinie liegende Äußerungen und Scherze, die jenseits von Gut und Böse liegen. Das ist nicht zu viel, sondern genau richtig. Und wenn dir irgendwann die Menschen im Umfeld ausgehen, weil du sie alle persönlich beleidigt hast, dann gehe in die Anonymität des Internets und tobe dich dort aus. Am Besten unter einem Pseudonym, das unterstreicht, wie mutig und authentisch du bist.

 

Radschlagende Grüße,
Eure Nicole