Smells like teen spirit. Bin ich noch jugendlich oder nicht?

Smells like teen spirit. Bin ich noch jugendlich oder nicht?

16. Mai 2015 2 Von nicoleinez

Es ist Samstag Abend und ich sitze mit einem Stück Kuchen und Tee vor meinem Laptop und versuche, meine Gedanken der letzten Tage, in die Form eines Blog-Eintrages zu bringen. Und frage mich: Bin ich mit 23 noch jugendlich, oder nicht? Die Zeiten waren schon Mal anders. Ich warte nur noch, dass ich beginne, Muster in weiße Tischtücher zu sticken und nebenher zu Schlagermusik zu schunkeln.

Ja, die Zeiten waren definitiv schon Mal anders: „Die guten alten Zeiten.“ Die voller Gesundheit, ohne Sorgen, mit mehr Spaß und keiner Verantwortung. Die voller Disko und Rauch und Schall und Rauch. Und Alkohol. Eben jene ohne Tee und Kuchen, sondern mit Wodka und Musik. Mit Kopfweh am nächsten Tag und mit schlechtem Gewissen, das aber egal war.

Wo sind sie hin diese Zeiten? Wer hat sie gefressen und warum? Und: Ich denke nicht, dass sie gut schmecken. Müssen eher unverdaulich sein. Und ich trenne mich sehr ungern von Phasen. Am liebsten würde ich jede für immer leben. Doch das wäre komisch, sonst wäre ich immer noch ein Kind, aber vielleicht auch jugendlich. Wie auch immer, das hilft euch jetzt nicht weiter.

Wenn ich bedenke, dass es schon viele in meinem Alter gibt, die Haus, Ehe und Kinder haben, bleibt mir das Stück Kuchen im Hals stecken. Zum Glück habe ich Tee  zum nachspülen. Obwohl ich langsam in das Alter komme, wo anderen die Luft weg bleiben wird, weil ich eben noch nicht dort bin. Und vielleicht auch nie sein werde.

Wenn ich jedoch die Entwicklungen in meinem Umfeld und generell beobachte, so scheint es, dass es einfach gewissen „Stationen“ im Leben gibt, die man durchlaufen sollte, um „normal“ zu sein. Um sich nicht „komisch“ vorzukommen, um Erwartungen zu erfüllen. Etwas „erreicht“ zu haben, was man eben sollte.

Es bleibt einem fast nichts anderes übrig, weil fast jeder Mensch eine Beziehung hat, die irgendwann in Kinder mündet. In eine gemeinsame Bleibe. Eine gemeinsame Zukunftspläne. In ein Paviangehege im Garten…. (Hä?) Und dazu gehört auch, vom jugendlichen in erwachsene Sein überzugehen.

Ich kann mich noch gut erinnern: In meiner Jugend (also in meiner wirklichen Jugend und damit meine ich nicht die Phase, die ich seit über 5 Jahren wie ein Hamster im Rad durchlaufe) gab es den sogenannten „Marquee-Fredl“. Das war in meiner Heimatgegend eine „Quasi-Legende.

Nämlich ein ca. 40-jähriger Mann, der jedes Wochenende Head bangend und wie Kurt Cobain gekleidet in den Lokalen abrockte und jedes Lied (mit eigens interpretiertem Text) mitgrölte. Und jeden Gast mit folgendem Satz begrüßte: „Seas, i bin da Fredl. Wea bist du? (Die Antwort schien ihn nie zu interessieren, denn der zweite Satz kam immer gleich danach) Er lautete: „Bin i a Oaschl…..?“

Da ich gerne in Extremen denke, wäre es mir wahrscheinlich lieber, ich würde die zuerst geschilderte Option für meine Zukunft wählen. Wobei ich auch der Vorstellung meines 40-jährigen Ichs als Rockerbraut in Jugendlokalen etwas abgewinnen kann. Nur wäre ich dann halt allein und noch immer jugendlich. Und definitiv komisch. Ich denke nämlich, dass es einen ungesunden Grund hat, wenn jemand sich absolut nicht altersgemäß verhält.

Von Monat zu Monat werde ich immer öfter gesiezt. Es kann sich nur noch um ein paar weitere Monate handeln, bis mir in Öffis ein Platz angeboten wird und ich Kinder über „damals, als alles noch besser war…“ aufkläre. Doch ich denke, dieser Verfall dauert noch ein wenig und vollzieht sich schleichend. Um euch vorzuwarnen, möchte ich euch gerne den Verlauf des Verwehen des teen spirit und des jugendlich sein aufzeigen:

Anzeichen, dass man nicht mehr jugendlich ist:

    1. 1. Ihr entdeckt euer erstes graues Haar.

 

    1. 2. Beim Lachen tun sich Abgründe im Gesicht auf, die ihr noch nicht kennt (Ich meine damit Falten). Auch wenn ihr nicht lacht, gehen sie nicht weg. Auch nicht durch Aussprechen eines Segens. Gar nicht.

 

    1. 3. Wenn ihr Babies oder Kinder seht, dann gebt ihr Laute von euch, die ihr bisher höchstens bei Hunden von euch gegeben habt (weil die ein bisschen weniger Verantwortung bedeuten). Ihr spielt mit dem Gedanken, euch selbst Mal welche anzuschaffen (;-))

 

    1. 4. Wenn ihr im Supermarkt was einkauft und ihr an der Kasse mit „Du“ angesprochen werdet, dann ist das „Hyper hyper“ (Ihr freut euch)

 

    1. 5. Ihr merkt noch drei Tage später, wie viele Stunden ihr zu lange auf wart und wie viele Getränke ihr zu viel getrunken habt. Und die dunklen Augenringe sind noch das geringste Übel.

 

    1. 6. Wenn eure Shirts nicht über die Hüften gehen, dann bekommt ihr Kreuzschmerzen./Wenn ihr junge Mädels seht, die halbnackt herumlaufen, würdet ihr ihnen gerne euer Gewand anbieten. (Ihr seid aber schon in einem Alter, wo es als perverse Anmache gelten könnte, also lasst ihr es.)

 

    1. 7. Ihr wisst, wann die letzte Möglichkeit ist, noch zu einer „christlichen“ Zeit heimfahren zu können.

 

    1. 8. Ihr rechnet euch aus, wie viele Stunden ihr noch schlafen könnt.

 

    1. 9. Es gibt keinen Tag mehr, wo ihr sagen könnt „Es ist vollkommen egal, ob ich mich heute hässlich betrinke, weil ich hab die nächsten Tage nichts Wichtiges zu tun.“

 

    1. 10. In eurem Freundeskreis schrumpft die Zahl jener, die ihr als „Partytier“ bezeichnen würdet. Und wenn dies so wäre, meidet ihr diese Personen eher.

Ich weiß zwar, dass meinen Blog keine Jugendlichen lesen, aber wenn dem so wäre: Ich würde ihnen raten: Genieße JEDEN EINZELNEN TAG DEINER JUGEND – vom ersten Tag der Pubertät bis zum letzen Tag. JEDEN EINZELNEN TAG. Wie Astrid Lindgren schon schön gesagt hatte: „Sei frech und wild und wunderbar….“

Hach, bevor ich jetzt noch beginne, Stricktipps zu verteilen, beende ich hiermit meinen Artikel. Man kann die Thematik aber auch von der Gegenseite aufziehen und sich fragen, ob man schon erwachsen ist.

Unrebellische Grüße,
Eure Nicole

 

©Nicole Inez