Selbsternannte Experten: Warum bist du bloß so allwissend?

Selbsternannte Experten: Warum bist du bloß so allwissend?

1. August 2015 6 Von nicoleinez

Die Zeit des Internets ist angebrochen und mit diesem Zeitalter gibt es auch immer mehr selbsternannte Experten! Trotz der Tatsache, dass immer mehr Menschen ein Studium, College, Fachhochschule beginnen, schaffen es auch sehr viele ohne jegliche Ausbildung in bestimmten Bereichen, es sogar besser zu wissen, als ausgebildete Fachkräfte. (Manchmal bin ich sehr traurig darüber, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein, einfach nichts zu tun, also so zu tun, als ob).

Ich denke besonders gefährdet für selbsternannte Experten, sind hier die Bereiche Psychologie, Ernährung und Medizin. Und wenn ich mich so umsehe und lese, dann bestätigt sich mein Verdacht vor allem bei den ersten beiden Bereichen. Das Internet ist voll von schlecht recherchierten Berichten über psychische Phänomene, noch voller von Ratschlägen dagegen (mein Highlight, welches ich letzten Monat gelesen habe, waren „Tipps“ gegen eine Depression). Wäre es nicht so traurig, dann würde ich lachen! Da ich jedoch die Welt an manchen Tagen nur aus der ironischen Sicht als erträglich empfinde, lach ich dennoch: „Haha. Ha.“

So, wie sich diese Ratschläge gelesen (also diese von dieser mega hippen, ansonsten Produkttesterin, aber in diesem Artikel plötzlich psychologische Coaching-Therapeutin mit ausgeprägten Trainertendenzen) haben, hatte ich das dringende Bedürfnis, dieser Person selbst eine Depression zu wünschen, damit sie bei ihrem nächsten Artikel
a) entweder darüber authentisch schreiben kann oder
b) sich besser informiert, weil sie es selbst betrifft, wenn sie
c) über keine Qualifikationen darüber verfügt, solche maßgeblichen Infos zu verbreiten.

Selbsternannte Experten und Gefahren

Es ist meiner Meinung nach unglaublich verantwortungslos, über Dinge zu schreiben, von denen man wirklich keine Ahnung hat. Ohnehin herrschen schon genügend Vorurteile und Unwissen über psychische Phänomene. Und gerade eine Depression wird oft so dargestellt, als könne man:
a) IMMER selbst was dagegen tun,
b) als gebe es nur eine Form davon und
c) als wären die Betroffenen selbst Schuld an ihrem Zustand und
d) als wäre es ein leichter Schnupfen, den man am Besten mit ein „bisschen“ Sonne (im Herzen) weg bekommt.

Die leichte Zugänglichkeit zum Internet, erleichtert uns auf den ersten Blick viel, jedoch erschwert sich einem auch einiges. Beispielsweise das Finden von kompetenten Auskünften. Man muss sich zuerst meist durch viel Müll kramen, um am Ende ein wenig Licht zu sehen und die Infos zu erhalten, die wirklich stimmen und auch hilfreich sind. (Habe ich bei jeder Seminararbeit selbst erlebt. Doch zum Glück gibt es facheinschlägige Datenbanken für Psychologen. Der Wissenschaft sei Dank ;-))

Selbsternannte Experten und Cyberchondrie

Ein weiteres Phänomen, über das ich (dummer Mensch, der eine Ausbildung in Psychologie macht – wie überflüssig) in einem Seminar im letzten Semester gelernt habe, ist Cyberchondrie (das ist zusammengefasst Hypochondrie, verstärkt durch das Internet). Dabei verbringen Menschen Stunden damit, sich selbst zu diagnostizieren. Was meist gedanklich tödlich endet. Ich meine damit, die Personen glauben meist, daran sterben zu müssen.

Es gibt aber sich noch weitaus harmlosere Erscheinungsformen, wenn man bedenkt, dass sich jede(r) 4. im Internet über mögliche Krankheiten anhand der Symptome informiert. Das bedeutet wohl oder übel (eher übel für den Arzt), dass 25 Prozent schon mit einer Ahnung hingehen. Was wiederum bedeutet, dass man nicht ausschließen kann, dass man gewisse Symptome nur noch dazu interpretiert, da man sie schon vorweg gelesen hat und so nicht mehr „unvoreingenommen“ schildern kann.

Hobbyärzte und Co

Um das Kapitel der Hobby-Ärzte und sonstige selbsternannte Experten zu beenden, komme ich abschließend zu den mega gut ausgebildeten „Ernährungsberatern“, die ihren Bestand nur im Internet haben (können). Ich kann es kaum fassen, wenn jemand Ernährungsmaßnahmen für übergewichtige Menschen vorschlägt, ohne zu erwähnen, dass sich diese Ratschläge rein aus eigenen Spinnereien und Mutmaßungen zusammengesetzt haben. Adipositas (in welcher Ausprägung auch immer) ist eine Kombination mehrer Faktoren. Ernährung ist eine davon. Da fallen Themen an wie: Psychologie, Bewegung, Mentale Verfassung, Situative Bedingungen, Veranlagung, Umweltbedingungen, Persönlichkeitsmerkmale….

Und dann kommt jemand daher und gibt: „Schlank in 10 Wochen-Tipps?“ Ernsthaft? Für mich nicht wirklich. Mein Tipp: Wenn das Wissen und die Ausbildung eher mager sind, sollte man nicht fett „aufkochen“.
Es gibt aber auch ausgebildete Menschen, man weiß nur nicht genau, wo und wann diese stattgefunden hat. Darüber habe ich mich in folgendem Text amüsiert: In welchem Kompetenzbecken hast du schwimmen gelernt? Es geht um unseriöse Berufsvertreter.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, Auf Wiederlesen. 😉

Sauer-aufstoßende Grüße,
Eure Nicole

 

©Nicole Inez