Wann ist eine Stadt keine Stadt?

Wann ist eine Stadt keine Stadt?

16. Oktober 2015 9 Von nicoleinez

Diese Frage habe ich mir eigentlich nie gestellt. Seit ich jedoch in einem größeren Dort lebe, welches jedoch für sich den Namen Stadt beansprucht, habe ich für mich selbst. (Ja, Studentin, hat nichts zu tun und viel Zeit nachzudenken und so weiter und so fort….) Kriterien gefunden, ab wann eine Stadt für mich keine Stadt ist.

 

         Keine Anonymität

  1. Wenn man das Haus verlässt, gibt es die 100%-ige Garantie, dass man auf jemanden trifft, den man kennt. (Und eventuell nicht mag und dennoch aus Höflichkeit small talk führen muss).
  2. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Jeder ist oberflächlich zu jedem nett und jeder mag jeden. Außer hinterm Rücken. Da mag irgendwie keiner keinen. Mit Abstufungen. Man könnte ja wiederum irgendwann, irgendwo jemanden zufällig treffen (wo wir eigentlich wieder bei Punkt 1 wären.) Ist das ein Teufelskreis? Ich weiß es nicht.
  3. Man kann nicht nackt durch die Straßen laufen (und mit nackt meine ich einfach mit buntem, auffallendem Style, einfach individuell, aber für manche verstörend – warum auch immer) ohne dass man Getuschel, oder bewertende Blicke erntet.
  4. Wenn man weggehen will, kann man das nicht in diversen Lokalen tun, da 90 Prozent den Geschmack von allen treffen. (In Städten hingegen gibt es mehr Musikrichtungen als Mainstream, Schlager und DJ-Musik von DJs die niemand kennt und auch niemand kennen will). Es gibt nach dem weggehen kein Essen mehr: Man muss sich also immer eine Lunchbox mitnehmen.
  5. Gerüchte verbreiten sich wie ein Lauffeuer, man muss also immer darauf bedacht sein, was man tut oder nicht tut. Auch wenn einem das nicht bewusst ist, weil man bisher davon ausging, dass man in einer Stadt wohnt und dort niemand niemanden kennt, außer man kennt sich (alles klar?! ;-))

    Keine coolen Bands

  6. Etwa alle 2 Jahre kommt eine Band in die „Stadt“, die man wirklich hören will. Und die in Städten etwa 2-3 Mal pro Jahr auftreten.
  7. Einkaufszentren haben so viele Geschäfte wie ein Mensch Hände Mal Finger auf jeder Hand. (Ich nenne das „Die Formel der nicht-städtischen Einkaufszentren“. Wenn man das dritte Mal dort war, kennt einen die Verkäuferin schon beim Namen. Da sie ihn bereits herausgefunden hat, weil dort kaum was los ist.
  8. Man weiß zwar, dass es da draußen was anderes gibt, tut sich aber im generellen schwer damit, das anzunehmen und zu akzeptieren. Die Stimmung ist sehr geschlossen, verhalten und im Tellerrand denkend. Damit es jedoch Zelt- und Feuerwehrfeste mit Schunkelmusik gibt (bei dem dann wiederum Gerüchte und Kinder entstehen) ist es doch zu wenig Dorf.
  9. Es gibt so viele Museen wie Finger auf beiden Händen. (Hier muss man keine Formel anwenden, da dies zu aufwendig wäre für das wenige Angebot). Das Angebot dort ist permanent gleich. Gelegentlich gibt es Ausstellungen zu sehr erhöhten Preisen, von denen man weiß, dass es in Städten zum selben Preis weit mehr zu bestaunen gibt.

    Chaos öffentliche Verkehrsmittel

  10. Das öffentliche Verkehrsnetz ist nicht wirklich vernetzt und Busse fahren sogar „innerstädtisch“ nur alle 20 Minuten. Wäre die Frequenz höher, so wäre dies eventuell eine Konkurrenz für den Almabtrieb.

Städtefreundliche Grüße,
Eure Nicole

 

©Nicole Inez