Rollenwechsel: 2 Stunden als sportliche Frau

Rollenwechsel: 2 Stunden als sportliche Frau

7. April 2018 Aus Von nicoleinez

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich bereits vor einem halben Jahr versucht habe, in die Rolle einer sportlichen Frau zu schlüpfen. Damals als Joggerin. Also wagte ich erneut einen Rollenwechsel. Und nur für eine Stunde – aufmerksame Leser werden die Steigerung auf 2 Stunden bemerkt haben. Doch der Sommer kommt mit riesen Schritten auf mich (und auf uns alle zu) und ich möchte bis dahin so aussehen, dass ich nicht mit Laken verhüllt in das Pool springen muss.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, mich in ein Fitnessstudio anzumelden. Wie es mir dabei erging und warum ich das Erlebnis mit euch teilen möchte, lest ihr weiter unten (weiter oben wäre vom roten Faden und dem Aufbau her eher unüblich und wahrscheinlich auch kontraproduktiv).

Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich ein sehr sportlicher Mensch bin. Ich gehe sehr oft zum Kühlschrank und auf unsere Terrasse. Auch den Gang ins Bad führe ich täglich durch. Da ich vor einem halben Jahr auch laufen war, dachte ich mir, ich erlaube mir einen Scherz. Deshalb habe ich mich am 1. April in ein Fitnessstudio angemeldet. Geplant war eigentlich, dass ich 3 Mal die Woche hingehe. Nicht nur hingehe (eigentlich fahre), sondern dort dann auch trainiere.

Von 1. Einheiten und sonstigen Späßen

Die 1. Einheit hat mich so mitgenommen, dass ich jeden Tag gesagt habe „ja, morgen dann wieder“. Mein Körper war ab den Hüften total „verkatert“ und ein einziger Muskelkater. Deshalb wartete ich und wartete und wartete. Am Dienstag hatte ich einen Termin und habe mir sogar schon die Sporttasche gepackt und mitgenommen (Tipp am Rande: Wenn du sportlich wirken willst, nimm eine Sporttasche mit). Kurz vor dem Fitnesscenter habe ich bemerkt, dass ich meine Schuhe zuhause vergessen hatte. Oje, was für ein Pech dachte ich. Und wartete weiter.

Rollenwechsel

Bis dann endlich die Erlöserin in Form einer motivierten Freundin gefragt hat, was ich denn heute mache und meinen Rollenwechsel unterstützte. In der Hoffnung, dass wir im selben Studio angemeldet sind, fragte ich sie im Gegenzug, ob wir denn nicht zusammen trainieren gehen wollen. Es kamen leider keine Aliens, um mich zu entführen, die Bim hatte auch keine 2 Stunden Verspätung, es gab kein Schneechaos und ich musste mich also meinem Schicksal fügen und trainieren gehen. Ich wartete auf sie, da ich etwas zu früh dran war und gab mich meinen Gedanken hin.

Ich wartete also und dachte nach. Der Spruch über dem Eingang hat mich ziemlich irritiert und ich habe ihn als schlechten Wortwitz kategorisiert. Da ich keine Brille auf hatte, musste ich wie gewohnt, alle Frauen, die ca. 1,60 cm groß waren und längere Haare hatten, anstarren. Da ich aus der Vergangenheit gelernt habe und nicht mehr einfach jeden freundlich zuwinke und mit „hallo“ anschreie, der meinen Freunden ähnlich sieht, wartete ich einfach ab, bis eine Person in einen Umkreis von 1 Meter kommen würde und mich begrüßen. Was in einer Großstadt wie Wien ja eigentlich relativ häufig passiert.

Ich blieb sogar stark und cool, als mir ein Mädchen entgegenkam (dass meiner Freundin (ohne Brille) sehr ähnlich sah), und (einer anderen Person) winkte. Ich stand einfach da und zog meine Mundwinkel nach oben und wartete ab. Sie ging an mir vorbei, also schloss ich daraus, dass sie nicht mit mir trainieren gehen wollte.

Aller Anfang ist schwer, das Ende aber auch

Bei meinem Rollenwechsel wurde mir klar: Es ist relativ interessant, dass ich ein Studium abgeschlossen habe und mich mit komplexer Mathematik am Ende sogar relativ leicht tat, ich jedoch bei Schranken, die man mit Karten öffnen muss, oftmals scheitere. Ich laufe dann so oft mit dem Oberschenkel gegen die Stange, bis ich akzeptiere, dass ich warten muss, bis das Licht grün ist und ich verstanden habe, was ich falsch mache und es nicht funktioniert. Gleich wie bei Türen „ziehen“ und „drücken“. Als wir es also nach 5-10 Minuten geschafft haben, dass wir ins Studio hineingekommen sind, musste ich (sogar ohne Brille ersichtlich) feststellen, dass ich hier den Altersschnitt um 10 Jahre anhebe. Kein Wunder, wenn man neben der Uni trainieren geht, aber egal.

Ich füllte mir also meine Flasche, die ich 5 Tage zuvor geschenkt bekommen hatte auf und wir gingen in den Trainingsbereich. Das Smartphone für’s Posen und die Selfies habe ich natürlich vergessen. Die 1. Station war das Laufband. Damit hatte ich so meine Freude: Es tat einfach nicht, was ich von ihm wollte.

Von eigentlich wolle ich nur, aber…

Eigentlich wollte ich nur 15 Minuten laufen zum aufwärmen, das aber mit Intervallen. Was hat dieses störrische Ding eingestellt? 27 Minuten mit 2 km/h. Wahrscheinlich hat es mir meine derzeitige sportliche Verfassung angesehen und Mitleid bekommen. Es war sogar so eigenwillig, dass es mir indirekte Vorwürfe machte, indem es mir permanent sagte, wie viel Prozent ich schon hinter mich gebracht hätte. Bei 27 Minuten ist das jedoch anders als bei 15. Ich habe meinen Willen jedoch durchgesetzt und habe nach 15 Minuten aufgehört.

Nachdem wir die Aufwärm-Phase überwunden hatten, setzte ich mich verkehrt auf ein Gerät, welches die Arme stärken sollte. Mit verkehrt meine ich nicht richtig, sondern verkehrt, also falsch. Das Positive daran war, dass ich die etwas peinliche Situation (unabsichtlich) damit retten konnte, dass meine Trinkflasche (welche ich oben auf dem Gerät abgestellt hatte) auf den Boden fiel und alles aus der Falsche sprudelte. Zum Glück verteilte sich das gesamte Wasser nur auf dem Teppich und wir mussten es wegwischen.

kaputte Sportflasche

Wir wechselten noch zu ein paar anderen Stationen und nachdem es nichts nutzte, dass ich die Frau, die „mein“ Gerät seit Minuten blockierte, mit bösem Blick anvisierte, gingen wir in das Untergeschoss. Davor füllte ich meine Trinkflasche nochmal auf (ich habe ja zuvor den Teppich gegossen). Unten angekommen, stürzte ich mich auf eine Station, die meine (nicht vorhandenen) Bauchmuskeln trainieren sollte.

Wasser und Schweiß wurden vergossen

Weil ich noch nicht genug Wasser (Schweiß und Tränen) vergossen hatte und lernresistent bin, was Fehler angeht, habe ich die Flasche abermals auf das Gerät gestellt. Guess what happened? Genau, sie fiel abermals auf den Boden und das Wasser verteilte sich. Ich hoffe wirklich, mich hat niemand außer meiner Freundin beobachtet (denn die kennt mich mittlerweile schon gut und hat sich köstlich unterhalten). Zitat ihrerseits: „Wenn ich das hören würde, könnte ich nicht glauben, dass das alles wirklich so passiert ist.“

Meine Rollenwechsel von 2 Stunden, verkleidet als sportliche Frau, haben mir wieder einmal bestätigt, was ich schon lange wusste: Alles, was irgendwie schwer, zu weit oben oder zu viel Konzentration auf das eigenen Überleben oder die eigene Gesundheit ist, ist gefährlich für mich. Lustig, dass ich zuvor noch zu meiner Freundin gesagt hatte: „Ich könnte mich nie unter freie Gewichte legen und mit ihnen trainieren. Das wäre lebensgefährlich für mich“.

Resümee aus dem Ganzen: Ich habe mich mehrmals köstlich blamiert. Meine Freundin hat sich ein paar Mal köstlich amüsiert. Und das Ganze für nur so wenig Geld. Ich glaube, ich werde mich in Zukunft noch öfter als sportliche Frau verkleiden. Und weil zu jedem Fitnessstudio-Besuch auch Selfies gehören, haben wir auch welche gemacht.

Ich kann euch nur raten: Verkleidet euch auch, wagt den Rollenwechsel und seht wie es euch bekommt – denn der nächste Sommer kommt bestimmt.

Tollpatschige Grüße,
Eure Nicole