Wie kann man Festivalbesucher wieder in die Gesellschaft integrieren?

Wie kann man Festivalbesucher wieder in die Gesellschaft integrieren?

31. August 2015 21 Von nicoleinez

Festivalbesucher: Es umgibt sie ein zarter Hauch von Bier, Schweiß und Schlamm. Je nach Anzahl der verbrachten Tage auf dem Gelände, mehr oder weniger von dem einen oder anderen lieblichen Duft. Die meisten aber riechen nach einer gut abgemischten Kombination, die sie kaum von ihren Artgenossen unterscheiden lässt. Sie sind mittel- bis dunkelbraun (ich spreche hier von der Hautfarbe).

Selbst gut erzogene Exemplare pinkeln einfach bei nächster Gelegenheit auf die nächste Gelegenheit. Ihr Vorteil: Sie schlafen freiwillig auf harten Erd- oder Schlammböden und sind so dankbar dafür, dass sie sogar rund 150 Euro dafür bezahlen. Eigentlich ein guter Fang diese Festivalbesucher. Doch was kommt danach?

Wie kann man diese dreitagesbärtigen Männer und Frauen, die tagelang auf durchschnittliche Hygiene verzichten, aus fremden Bierdosen schlürfen und an fremden Glühstangen ziehen, Tixiklos umwerfen und sich in wilden Gewässern baden, wieder in die Gesellschaft integrieren?

Da es sich hierbei um eine größere Masse an Menschen handelt und nicht um Einzelfälle, muss man Schritt für Schritt vorgehen. Man kann sich sicherlich vorstellen, dass die Eingliederung in eine fremde Gesellschaft den Betroffenen sehr schwer fällt. Oder hast du schon Mal versucht, dem Drang zu widerstehen, nicht einfach zu pinkeln wann und wo du musst? Na eben. Ich auch nicht.

Kennst du einen Menschen, der schon auf einem Festival war und willst du, dass er nicht mehr kostümiert herumläuft? Hast du es satt, dass dein Partner nicht mehr eure Dusche, sondern den Waldbach verwendet? Hast du verlernt, wie man Besteck richtig benutzt, oder gar vergessen, dass es sowas gibt? Wie kann man Festivalbesucher wieder in den Alltag integrieren?

Kein Problem mit dieser Hilfestellung:

  • Nimm die Person an der Hand und gehe mit ihr in den nächstgelegenen Supermarkt. Wichtig ist, dass du dabei erwähnst, dass man nicht Kilometerlang zu Fuß gehen muss, da es in der neuen Welt Autos gibt.
  • Erkläre im Supermarkt, dass es neben Bier und Keksen auch noch frisches Essen gibt. Zum Beispiel Obst und Gemüse, oder Milchprodukte. Wichtig ist, dass du deinem Partner an den Bierangeboten vorbeigehst, damit er auch selbst sieht, dass es auch Wasser in all seinen Abstufungen und Ausprägungen gibt.
  • Wenn du ein Klo siehst, von dem du weißt, dass man in dem nicht die Vorgeschichte der letzten 50 Besucher sehen kann, zeige es ihm. Er wird sich sicherlich sehr freuen und es sicher gerne bald freiwillig benutzen, anstatt in die nächste Ecke zu pinkeln, wie auf dem Festival. Hier ist es wie mit Katzen: Die brauchen auch ihre Zeit, bis sie nicht mehr aufs Sofa nässen. Belohne ihn doch mit Schokolade oder einem Spaziergang an der frischen Luft. Abschreckend wirkt das Ansprühen mit Wasser.
  • Akzeptiere, wenn der Festivalbesucher die nächsten Tage lieber draußen neben dem Auto schlafen möchte. Er hat schließlich viel Geld dafür bezahlt, im Schlamm und zwischen Müllbergen zu campen. Ein trockenes, sauberes Bett ist vielleicht nicht so sein Fall. Versuche ihn immer tageweise in die Wohnung zu locken. Sage ihm, dass die Laken mit der Zeit so abgeranzt werden können, wie ein Zelt. Das wird ihn anspornen, dem Bett doch Mal eine Chance zu geben. Vielleicht versucht du auch, ein Zelt über das Bett zu spannen. Sei kreativ!
  • Sei vorsichtig bei Bächen und Flüssen, besonders Männer ziehen sie magisch an. Sage sobald er hineinspringen will: „Nein, pfui. Das tut man nicht“ und erhebe den Zeigefinger. Erkläre ihm die Vorteile einer warmen Dusche, aus der kein Bier, sondern nur Wasser kommt. Versuche ihn zum Duschen zu überreden, aber überfordere ihn nicht gleich anfangs mit Dingen wie Duschbädern, etc. Er ist nur Bierduschen gewohnt.
  • Wenn der Festivalbesucher Becher oder andere Plastikbehälter sieht, wird er mit ihnen werfen wollen. Entweder auf Leute, oder einfach auf den Boden oder sonst wo hin. Mache ihm klar, dass das in dieser Welt als unhöflich und Müllverschmutzung gilt. Und dass er am Ende keine 5 Euro zurückbekommen wird, wenn er einen Müllsack halb anfüllt.
  • Kostüme sind zwar lustig, aber Arbeitgeber stehen nicht so drauf. Sollte er also nachdem er aus seinem Zelt vor dem Haus gekrochen ist, als pinker Plüschhase zur Arbeit gehen wollen, erkläre ihm, dass es sogar am Festival fragwürdig ist, sich zu verkleiden und Chefs es wohl noch weniger verstehen würden. Biete ihm Jeans, ein neutrales Shirt und geschlossene Sneakers an.
  • Du wirst merken, dass dein Partner nun gerne mit den Fingern ist. Dulde das die ersten Wochen, denn er muss sich erst Mal von der flüssigen Biernahrung auf feste umstellen. Da ist das mit den Händen essen noch das geringere Problem. Sollte es sich nach einem Monat nicht bessern, musst du davon ausgehen, dass er vergessen hat, dass es Besteck gibt. Decke den Tisch mit Messer, Löffel, Gabel und Teller und mache ihm klar, wie man alles jeweils benutzt.
  • Erkläre dem Festivalbesucher, dass es keinen Sinn hat „Shrimps mit Reis“ zu rufen, da dies in dieser Welt eher zur Einweisung in die Psychiatrie, als zu einem Dominoeffekt führt.
  • Dein Freund hat als Festivalbesucher gelernt, was man mit Bierdosen alles anstellen kann und wird viel Zeit damit verbringen, daraus etwas zu basteln. Akzeptiere es. Das wird sich legen, sobald er wieder die Lust am Leben entdeckt hat.

Wenn du dich in der Öffentlichkeit sicherer fühlst, wenn du deinen Partner an eine Leine hängst, oder du dich selbst daran sicherer fühlst: Tue es. Es gibt hier kein richtig oder falsch.

Vielleicht fallen euch noch weiter Tipps ein, um die Integration zu erleichtern.

Grüßende Grüße,
Eure Nicole

 

©Nicole Inez