Kolumne: Was wollen Männer?

Kolumne: Was wollen Männer?

28. Oktober 2017 Aus Von nicoleinez

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir die Frage selten im eigentlichen Sinne gestellt. Wahrscheinlich, weil ich in erster Linie daran interessiert bin, was ich möchte. Und doch lese ich ab und zu Artikel, die beschreiben, was Männer wollen und was nicht. Die meisten kann ich jedoch nicht zu Ende lesen, weil ich mich sonst manipuliert und voreingenommen fühle. Und zusammengefasst lässt sich sagen, dass Männer eigentlich fast nichts wollen. Sie wollen keine zu attraktive Frau, zu erfolgreich darf sie auch nicht sein, nicht mehr verdienen, nicht zu lustig sein, aber dennoch muss sie über die Witze lachen. Sie muss erobert werden wollen, aber auch Zeichen senden und ihre Reize zeigen. Das ist kein Hirngespinst aus meinem psychologischen Gehirn, sondern eine Kurzzusammenfassung jener Artikel und YouTube-Videos, die ich bisher konsumiert habe.

Man kann sich jetzt natürlich fragen, warum ich das überhaupt lese? Das hat vor allem den Grund, weil ich grundneugierig (nein, das Wort gibt es nicht!) bin und ich das Mysterium des Mannes nicht wirklich logisch durchschauen kann. Ich gehe da immer intuitiv vor, habe das immer so gemacht und werde es aller Wahrscheinlichkeit auch immer so machen. Doch ich habe mir sagen lassen, dass es Tipps und Tricks gibt und dass Frauen Männern gefallen wollen und viele Dinge beachten.

Einem Mann gefallen wollen

Das Spannende ist, dass 1. jedes Mal, wenn ich einem Mann gefallen wollte, ich dabei versagt habe, weil ich 2. nicht authentisch war und aus meiner Natürlichkeit gefallen bin. Dann war ich eine Mischung aus halbweisen Ratschlägen, Tipps und Vermutungen, was denn das Objekt der Begierde wohl wollen und meinen könnte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich enorm schlecht darin bin, nicht ich selbst zu sein. Es klingt komisch, aber ich kann eigentlich nicht anders, als ich zu sein. Was auch beinhaltet, dass ich nichts befolgen kann, was ich nicht bin. Also bin ich vor allem eines: Ehrlich!

Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht auch manchmal extra hübsch mache, wenn ich ausgehe und mir denke, dass ich heute sehr gut aussehe. Lustigerweise sind dies dann meist jene Abende, wo ich an meinem Getränk nippend auf der Tanzfläche wackle (nicht, weil ich so betrunken wäre, aber weil mir gerade kein anderes Wort einfällt) und mich wundere, warum denn niemand meinem Aufwand Aufmerksamkeit schenkt.

Und dann gibt es Abende wie gestern. Unausgeschlafen, müde und eigentlich bettreif und -fertig, geht man zu Freunden, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Man zieht eine ausgewaschene Jeans, eine x-beliebige Weste und einen Schal an, den man normalerweise nur bei Strick- und Teeabenden mit seiner Großmutter an hat. Dazu kombiniert man einen Turnbeutel und Turnschuhe. Mit letzter Kraft schmiert man sich noch ein wenig Make Up, über die mangels Schlaf entstandenen Augenringe, die auch gut die Krater auf dem Mond symbolisieren könnten.

Einen lustigen Abend haben wollen

Eigentlich möchte man schon heim, doch weil der Abend lustig ist und man seine Freunde mag, geht man noch „fort“. Dort steht man dann wie eine schlecht verankerte Laterne im Wind und hebt unmotiviert alle 3 Takte die Arme, damit  man sich bewegt, weil die Musik ja eigentlich ganz nett ist. Während man mit Bier vollgeschüttet wird und grantig dahingrantelt (nein, auch dieses Wort gibt es nicht!), wird man von allen Seiten angerempelt und am Turnsack berührt, weil niemand vorbei kann. Ich hätte mir nie gedacht, dass man an einem Abend wie diesem: Müde, grantig, eigentlich schon gedanklich im Bett und nach Bier und wahrscheinlich auch anmutend nach Schweiß riechend, so viele Angebote bekommt.

In Gedanken ging ich die eingangs erwähnten Ratgeber durch und bemerkte: Ich habe nicht einen einzigen davon befolgt, im Gegenteil. An diesem Abend war ich einfach nur ein Mensch und mehr ich selbst als ich es sein würde, wenn ich jemandem gefallen möchte. Diese Erfahrung hat mich nur darin bestätigt, dass es im Prinzip egal ist „was Männer wollen“, weil es keine Geheimtipps gibt, außer das Lied der Ärzte („Das Lied vom Scheitern“, welches besagt: „Du bist immer dann am Besten, wenn’s dir eigentlich egal ist.“

Analysierte Grüße,
Eure Nicole