Kolumne: Freiheit – Wie frei sind wir wirklich?

Kolumne: Freiheit – Wie frei sind wir wirklich?

15. Oktober 2018 5 Von nicoleinez

Dieser Titel liest sich zwar nach Sinnkrise, ist es aber nicht. Es ist viel schlimmer, nämlich das, wofür wir meistens keine Zeit und Lust haben. Sein eigenes Leben und das Leben generell zu hinterfragen. Da ich nach Wochen endlich wieder Zeit hatte, nachzudenken, kam mir folgende Frage: Wie frei sind wir wirklich? Und wie begrenzt ist unsere Freiheit?

Ich habe seit Jahren versucht, mein Leben so frei wie möglich zu gestalten. So unabhängig wie möglich von anderen Menschen, beruflichen Vorgaben, engen Beziehungen und sonstigen Verpflichtungen. In meiner perfekten Welt könnte man sich morgen dazu entschließen, nach Neuseeland auszuwandern, um sich dann dort zu entscheiden, dass es in Kanada dann doch besser wäre. Doch wenn man sein Leben hinterfragt, oder eines in der Norm, dann kommt man zum Entschluss, dass das so nicht möglich ist.

Ein normales Leben

Ein normales menschliches Leben besteht aus Begrenzungen und diese Begrenzungen dienen auch zeitgleich als Stütze. Als Basis unseres Lebens. Wenn ich einen Job habe, bin ich zwar eingeschränkt, doch ich habe zeitgleich auch Geld. Und das macht mich wiederum freier. Gehe ich eine Beziehung ein (und bin treu), gebe ich in dem Moment meine Freiheit auf, mit 10 anderen eine Beziehung zu führen. Beziehungen geben wiederum auch Stabilität und Halt. Und auf der anderen Seite nehmen sie einem Freiheit.

Bin ich z.B. verheiratet, kann ich nicht einfach morgen sagen, dass ich mit einer anderen Person ab sofort intime Dinge tun werde. Ohne die Partnerin zu verlieren. Und trotz Ausmachungen, bin ich eingeschränkt. Denn umso mehr Leute ich in meinem engeren Kreis habe, desto mehr Zeit und Energie benötige ich dafür.

Wenn ich gerne an 10 Plätzen der Erde gleichzeitig wohnen möchte, ist das ebenfalls nicht möglich. Rein physikalisch und auch rein finanziell nicht. (Ich schreibe hier eher für meine Zielgruppe und darunter befindet sich meines Wissens nach kein Ölscheich.). Dabei gäbe es so viele schöne Orte, für die man mehr Zeit bräuchte, um sie wirklich zu erkunden.

Die größte Freiheit

Die größte Freiheit gibt man aber auf (habe ich von Bekannten gehört), wenn man sich für Kinder entscheidet. Natürlich gewinnt man das größte Geschenk, das man sich erhofft hat. Und doch verändert sich das Leben radikal und aus einer minimalen Freiheit, wird keine Freiheit. Meist vor allem für Mütter. Denn wenn man seine Freiheit nicht mit Jobverpflichtungen, Beziehung und Freizeitstress teilt, dann hat man ein Kind, für das man sorgen muss.

Wenn man so darüber nachdenkt, muss man sich bewusst werden, dass die menschliche Beliebigkeit sehr eingeschränkt ist. Man kann sein Leben eigentlich nur mit einem bestimmten Fokus auf seine Ziele und das Hier und Jetzt richten. Ich habe mir die Welt als großes Ganzes vorgestellt (das ist sie nämlich auch). Und bin auf einige realistische Erkenntnisse gestoßen.

8 Erkenntnisse

  • Du kannst nicht an allen Orten der Welt gleichzeitig Leben, die dir gefallen würden.
  • Du kannst wahrscheinlich nicht alle Orte der Welt genau genug erkunden, die dich interessieren.
  • Du gibst für jede Sicherheit eine Freiheit auf.
  • Du gibst für jede Freiheit eine Sicherheit auf.
  • Unsere Freiheit ist durch örtliche Distanz extrem eingeschränkt.
  • Die meisten Menschen der Welt kannst du gar nicht kennenlernen, weil es so viele sind (und so wenig Zeit).
  • Jedem steht nur ein gewisses Maß an Freiheit zur Verfügung.
  • Freiheit erscheint als ziemliche Lüge und ist relativ.

Ich hoffe dieser Text ist nicht so deprimierend, wie die anstehende graue Jahreszeit. Sagt mir doch in den Kommentaren, welche Meinung ihr zu dem Thema habt.

Eingeschränkte Grüße,
Eure Nicole