Loslassen: 10 Gründe, warum es so schwer fällt.

Loslassen: 10 Gründe, warum es so schwer fällt.

14. April 2018 Aus Von nicoleinez

Das größte Tier auf Erden ist der Mensch. Dieses Zitat gibt es noch nicht und wurde von mir frei „erfunden“. Warum? Weil der Mensch an sich das größte Gewohnheitstier ist: Starr, unflexibel, scheu vor Veränderungen, in 80 Prozent der Fälle mehr gewillt, Leid zu ertragen, anstatt für sich und seine Bedürfnisse einzustehen und etwas zu ändern. Niemand mag das Wort „loslassen“. Doch warum eigentlich?

Viele vergessen wahrscheinlich, dass man nur dieses eine Leben hat. Selbst wenn man an Wiedergeburt glaubt, haben wir dieses aktuelle Dasein nur ein Mal und sollten das Beste daraus machen. Ich habe oft das Gefühl, dass Leute dazu tendieren, das Beste für die anderen daraus zu machen: Aus Bequemlichkeit, geringem Selbstwert, aus Gewohnheit und aus alten Mustern heraus.

Da dies keine psychologische Bewertung oder Verurteilung werden soll (denn wenn es darum geht, sein Leben subjektiv richtig zu gestalten, ist sich jeder selbst der Nächste). Man kann nur für sich selbst entscheiden, wie man sein Dasein fristen, oder seine Umwelt gestalten möchte. Auf jeden Fall gibt es verschiedene Gründe dafür, warum wir Menschen Dinge nicht verändern oder loslassen wollen. Loslassen heißt Veränderung und Veränderung macht schon allein als Wort Angst.

Was sind also die Ursachen dafür, dass wir oftmals lieber leiden als loslassen?

1. Verdrängen

Ist euch schon Mal aufgefallen, dass ein und dieselbe Situation von verschiedenen Menschen unterschiedlich wahrgenommen wird? Es fängt bei kleinen, alltäglichen Dingen wie ständiges Zuspätkommen an und hört bei absichtlichem Manipulieren auf. Angenommen Franz Herbert bestreitet sein Leben dadurch, dass er sich zurücklehnt und die Menschen um sich ausbeutet und manipuliert, damit er selbst nichts tun muss. Frederike, Horst und Justus-Angelo sind allesamt mit dieser Person befreundet.

Während Frederike, Franz Herbert immer wieder offen darauf anspricht und irgendwann die Freundschaft beendet, da sie fühlt und merkt, dass da etwas nicht stimmt, agieren die beiden anderen anders. Horst verdrängt immer wieder die negativen Aspekte und lässt den Dingen einfach seinen Lauf. Er hat schon längst vergessen, dass ihn Franz Herbert mittlerweile 15 Mal angelogen hat und dass er all seine Charakterzüge schlecht macht, um sich selbst besser zu fühlen.

Er ändert nichts und passt sich den Gegebenheiten an, obwohl er eigentlich leidet. Justus-Angelo hingegen ist sich schon bewusst, was da eigentlich abgeht, möchte aber nicht handeln, da Veränderung Kraft kostet und man sich nach Jahren an jeden Schmerz gewöhnen kann.

2. Was kommt danach?

In Beziehungen oder Jobs finden wir oft die Angst vor dem „danach“. Die Angst, dass da nichts Besseres nachkommt, leitet uns und wir fühlen uns nicht in der Lage, etwas an dem aktuellen Zustand zu ändern. Das Leid ist uns willkommener, weil wir es kennen. Wenn wir kündigen würden, oder uns trennen, wüssten wir nicht, wie unsere Zukunft aussehen würde. Also verharren wir in der Situation und machen einfach gar nichts. In Österreich ist es das bekannte „Schau‘ ma‘ Mal“. Was so viel heißt wie „Ich werde daran niemals was ändern. Ich denke nicht einmal daran. Möchte aber dennoch eine Aussage tätigen.“

3. Umdeuten der Ereignisse

Wenn man immer wieder negative Ereignisse der selben Art erlebt und an der Situation nichts ändern kann oder will, wird der Mensch kreativ: Er dreht sich die Tatsachen so, dass es für ihn erträglich bleibt, oder wird. Das ist auf Dauer zwar nicht sonderlich gesund, erspart einem aber auf jeden Fall, dass man in seinem Leben etwas ändern muss. Der einfache Weg ist zwar nicht immer der beste, wird aber dennoch in den meisten Fällen gewählt.

4. Bequemlichkeit

An alten Dingen oder Gewohnheiten festzuhalten ist richtig schön bequem. Man weiß was man hat und wie es läuft. Und selbst wenn es nicht läuft, weiß man zumindest, wie es abläuft. Es gleicht der Stimmung, wenn man es sich gerade vor dem Fernseher an einem kalten Winterabend: Man hat es sich mit Tee und Decke auf der Couch bequem gemacht und wollte eigentlich noch die wichtige Nachricht am Handy beantworten. Doch es ist einfach viel zu bequem, um aufzustehen. Also bleibt man einfach liegen und verschiebt die wichtige Antwort auf später. Auf das Leben umgemünzt, passiert die Veränderung nie, oder (fast) zu spät.

5. Veraltetes Denken

Wir alle tragen Glaubenssätze in uns. Manche davon sind uns bewusst, einige davon laufen unbewusst ab. Wie eine Schallplatte drehen sie sich in unserem Kopf und machen manche Entscheidungen schwer bist unmöglich. Das sind dann Sätze wie „das kann man doch nicht machen“, „was werden die anderen denken, wenn….“, „das war doch bist jetzt immer so…“, „es sind sowieso alle Männer/Frauen gleich….“. Die Auswahl ist schier endlos und hält uns davon ab, altes und schädliches loszulassen.

6. Gefangen in Mustern

Kling paradox, ist aber so: Jemand, der in der Kindheit immer wieder Gewalt ausgesetzt ist, wird sich später im Leben unbewusst immer wieder dieselben Typen von Menschen aussuchen. Sodass er sich „zuhause“ fühlt. Man fühlt sich meist dort am Wohlsten, so es sich vertraut anfühlt. Und wenn man im Leben bisher immer wieder dieselben Erfahrungen gemacht hat, ist das gewissermaßen Realität. Jemand, der von außen auf eine kranke Situation schaut, denkt sich vielleicht „Oh Gott, so könnte ich nicht leben“, während es für die betroffene Person das normalste der Welt ist. Und selbst wenn man schädliche Muster in seinem Leben erkennt, heißt das noch lange nicht, dass man sich davon befreien kann, oder die Energie dazu hat.

7. Es wird sowieso nicht besser

Hoffnungslosigkeit ist ein weiterer „Grund“, Situationen, Personen und Gefühle nicht loszulassen. Denn wer garantiert, dass es besser wird, wenn man sich beruflich verändert, oder die Beziehung nach zwei Jahrzehnten beendet? Das Gras auf der anderen Seite ist nicht grüner, denkt man sich. Und meistens hat man Recht.

8. Es wird wahrscheinlich wirklich nicht besser

Ja, das klingt hart und ist es auch. Das Leben an sich folgt nämlich gewissen Mustern. Solange man selbst nicht weiß, warum etwas (immer wieder) schiefläuft, wird es sich auch mit dem nächsten Partner nicht ändern. Auch nach einem Jobwechseln läuft man Gefahr, sich unbewusst wieder derselben Prüfung zu stellen. Solange, bis man daraus gelernt hat und bereit ist für eine Veränderung. Es muss natürlich nicht immer so sein und es ist auch keine Einladung zur Trägheit und zum Verweilen in unglücklichen Situationen. Ich sage immer: „Wer ständig über eine Situation jammert und sie dennoch nicht ändert, hat noch nicht genug gelitten.“

9. Man kennt niemanden, der es gemacht hat

Wie viele Menschen kennst du, die von heute auf morgen einfach ausgestiegen sind aus dem Hamsterrad und gesagt haben: Ich lebe jetzt meine Leben so, wie es mich glücklich macht. Oder wie viele Leute kennst du, die generell gravierende Veränderungen in ihrem Leben vorgenommen haben? Die einfach loslassen, was sie nicht mehr hält. Ich muss ehrlich sein, ich kann sie auf beiden Händen (übertrieben gesagt) abzählen. Die meisten Leute sind wahrscheinlich eh glücklich und zufrieden. Der Rest lebt einfach weiter wie bisher. Ohne vor- und ohne nachzudenken.

10. Sicherheitsbedürfnis

Studien zufolge haben Frauen ein noch höheres Sicherheitsbedürfnis als Männer. Ich kann jetzt auch für mich sprechen: z.B. bei der Männerauswahl würde ich mich nicht auf den dreiäugigen Hinkebein-Johnny, mit der tätowierten Träne im Gesicht, einlassen. Doch Sicherheit ist das Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Doch loslassen oder verändern bedeutet genau das Gegenteil: Ungewissheit und Unsicherheit. Wen wundert es da noch, dass Veränderungen so ungern getätigt werden.

Ich hoffe, ich konnte euch mit dem Beitrag ein wenig Einsicht gewähren, oder sogar das ein oder andere Auge ein bisschen weiter öffnen. Veränderung sind oft schwer, sie müssen aber zu unserem Wohle dennoch gemacht werden. Denn letztendlich geht es um eines: Dass wir selbst und unser Umfeld glücklich sind. Eine Inspiration zum Loslassen findest du unter meinem Beitrag, in dem ich eine nette Geschichte zitiere und meine Ziele für „leichteres Gepäck“ formuliere.

Liebe Grüße,
Eure Nicole