Kolumne: Was bedeutet Freundschaft eigentlich?

Kolumne: Was bedeutet Freundschaft eigentlich?

10. Juli 2019 1 Von nicoleinez

Dieser Beitrag wurde durch den Tag der Freundschaft inspiriert. Der war übrigens gestern. Ich bin nicht von gestern, deshalb schreibe ich den Text auch heute. Das war ein Witz, falls er nicht als solcher verstanden wurde. Und ich bin auch manchmal lustig, falls das noch nie bemerkt wurde. Nun gut, hätten wir die wichtigsten Themen geklärt. Also wieder zurück zum Thema Freundschaft. Diese wird ja unterschiedlich interpretiert und gelebt. Aus Spannungsgründen werde ich in diesem Beitrag nicht die guten Beispiele beleuchten, sondern die schrägen.

Was bedeutet Freundschaft?

Diese Frage sollten sich viele Menschen stellen. Doch selbst die Leute, die sie sich stellen, sind oft auch nicht besser als Freunde. Eigentlich haben wir ja alle eine gewisse Vorstellung von Freundschaft und wie diese zu sein hätte. Lustig ist auch, dass es hier Kulturunterschiede gibt. Da ich viele Leute aus Amerika kennengelernt habe, weiß ich, dass jeder ein Freund sein kann. In Amerika wird scheinbar jeder, mit dem man schon Mal geredet hat, als Freund bezeichnet. Ich weiß nicht, wie gültig das dann ist.

Für mich sind Freunde schon Leute, die ich besser kenne, denen ich von meinen privaten Dingen erzähle und die ich auch Mal um Rat frage. Mit denen verbringe ich gerne regelmäßig Zeit (Man nennt es auch Pflege der Freundschaft), unternehme lustige Dinge und kläre Probleme. Mit denen habe ich viel gemeinsam, aber vor allem sehen wir das Leben aus einer ähnlichen Perspektive. Meiner Erfahrung nach ist das wichtig, da es sonst nur zu Missverständnissen und ständigen Diskussionen kommt. Da hört Freundschaft dann jedoch für mich auf. Ich weiß zwar nicht, wie man das dann nennt, aber für mich ist es auf jeden Fall nichts.

Versionen von Freundschaft

Umso älter ich werde, desto bewusster wird mir, dass Freundschaften sehr unterschiedlich sein können. Wichtig ist nur, dass beide die Dinge ähnlich sehen und sich dadurch wohl fühlen. Wenn mir wichtig ist, dass ich mit Leuten gemeinsam was unternehme und die andere Person das nicht so sieht, werden beide Seiten nicht erfüllt sein. Ist ein Teil introvertiert und möchte sich lieber alleine treffen, der andere aber hat gerne 15 Menschen um sich, wird das ebenfalls nicht (lange) gut gehen. Man könnte meinen, Kompromisse wären die Lösung aller Probleme – sind sie aber nicht. Dazu hat vor Kurzem eine Paartherapeutin eine weise Aussage getätigt. Sie meinte, bei einem Kompromiss sind dann beide Seiten unglücklich. Und ich finde, sie hat recht.

Was mir auch oft unterkommt, sind Menschen, die glauben, „nur befreundet“ zu sein. Ganz oft zwischen Mann und Frau. Dabei sieht man sowohl an Verhalten als auch an Gesagtem, dass einer immer mehr will. Ich zweifle nicht an, dass Freundschaft möglich ist, doch in vielen Fällen war dieser Begriff nur Synonym für „ich warte, bis ich endlich bei ihm/ihr landen kann“. Für mich definiert sich das nicht als gesunde freundschaftliche Beziehung. Da ich mich jedoch nicht um alle kümmern kann, lass ich das dann meist auch so stehen.

Freundschaft benutzen

Auf dieser Welt gibt es viele Leute, die einfach nicht allein sein können. Entweder sie sind permanent in einer Beziehung oder todunglücklich. Um den Zustand zu überbrücken, suchen sie sich in ihrer Singlezeit Freunde. Am besten so viele wie möglich. Dann müssen sie sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen. Dieser Typ Mensch tendiert dann dazu, dich völlig zu vereinnahmen. Man sollte dann dies, das und jenes mit ihm machen. Wenn möglich, täglich. Jedes Problem wird sofort mitgeteilt. Was anfangs als sehr enge Freundschaft mit wirklichem Interesse wirken kann, ist nur gültig, bis sie wieder in einer Beziehung sind.

Dann hört und sieht man nichts mehr von den Personen. Außer, sie sind wieder single, oder sie brauchen deinen Rat, weil es in der Partnerschaft kriselt. Eine weitere Option ist, dass sie sonst was von dir brauchen. Und sei es nur, wieder andere Leute in ihrem Leben abseits der Beziehung. Passiert zwar selten, man sollte es jedoch nicht als unmöglich sehen. Alles ist möglich – nichts ist fix! Oder so irgendwie.

Da es auch eine noch dreistere Spezies gibt, nämlich jene, die sich Freunde nur für eine bestimmte Hilfe aussucht, bin ich da mittlerweile sehr vorsichtig. Von mir gibt es erst Unterstützung, wenn sich die Person als ehrlich und authentisch erwiesen hat. Und nicht ein Fass ohne Boden ist. Denn so jemanden findet man ohnehin schnell wieder. So, jetzt bin ich neugierig: Was haltet ihr von solchen Leuten? Was ist für euch Freundschaft und was ist euch da wichtig?

Verratet es mir in den Kommentaren und lest auch gerne meinen Beitrag über nervige Menschen. Gerne könnt ihr euch auch meine anderen Kolumnen durchlesen.

 

Freundschaftliche Grüße,
Eure Nicole